PFAS und PTFE in der Dichtungsbranche: Was kommt auf uns zu?

Erfahren Sie, wie sich das mögliche PFAS-Verbot auf PTFE-Dichtungen auswirkt und ob es Alternativen gibt.

PFAS und PFTFE Headerbild


PFAS (polyfluorierte Alkylsubstanzen) stehen im Fokus der ECHA. Jedoch wurden Fluorpolymere und die Folgen ihres Verbots bislang nicht berücksichtigt. Insbesondere in der Dichtungsindustrie ist die Unsicherheit groß, denn ein vollständiges Verbot könnte gravierende Auswirkungen haben. Stephan Piringer, Leiter Forschung und Entwicklung bei KLINGER Dichtungstechnik, erklärt, wie der aktuelle Stand der Diskussionen ist und ob es Alternativen gibt.


PFAS – Droht tatsächlich ein Verbot?

Die European Chemicals Agency (ECHA) prüft seit längerem, ob und welche PFAS eingeschränkt werden sollen. Ein konkretes Verbot ist bisher nicht ausgesprochen, und die endgültige Entscheidung liegt letztendlich auf politischer EU-Ebene. 

Die USA gehen einen anderen Weg – noch. In vielen US-amerikanischen Bundesstaaten gelten bereits PFAS-Verbote für spezielle PFAS wie jene in Löschschaum oder Kosmetika. Darüber hinaus wurde eine Meldepflicht eingeführt. Eine bürokratische Hürde, die rückwirkend für alle PFAS gilt, die seit dem 1. Jänner 2011 in den USA produziert oder in die USA importiert wurden. Hersteller und Importeure müssen diese der US-Umweltschutzbehörde EPA melden. Die Berichterstattung ist umfangreich und umfasst Angaben zu Mengen, Verwendungszwecken, Entsorgung, Nebenprodukten, Exposition und Umweltauswirkungen.  

Aktuelle Fakten zur PFAS-Debatte:

  • PTFE ist eines von rund 20 Fluorpolymeren, innerhalb tausender PFAS.
  • Bisher sind Dichtungen nicht explizit von einem Verbot betroffen. Dichtungen aus Fluorpolymeren wären bei einem Inkrafttreten, gemäß dem derzeitigen Entwurf, jedoch sehr wohl betroffen.
  • Ein Statement der ECHA deutete nun erstmals an, dass Fluorpolymere differenziert betrachtet werden könnten.

Warum ein PTFE-Verbot die Industrie lähmen könnte

Alberto Rocca, Business Development Manager für den Dichtungsbereich bei KLINGER Holding, betonte zuletzt, dass nur 20 Prozent der aktuell eingebauten Dichtungen in den nächsten Jahren ausgetauscht werden könnten. PTFE bietet einzigartige chemische und physikalische Eigenschaften und kommt in zahlreichen Anwendungen zum Einsatz:

  • Hohe Temperaturbeständigkeit
  • Hervorragende chemische Resistenz
  • Gute Anpassungsfähigkeit an Oberflächen


„Alternativen zu PTFE sind bisher immer an mindestens einer dieser Eigenschaften gescheitert“, erklärt Piringer. Ein Ersatz sei daher aktuell nicht möglich. Betroffen wären zahlreiche Branchen, wie z.B. die produzierende Industrie, Kunststoffverarbeitung, chemische Industrie oder Halbleiterfertigung. 


Beispiele für mögliche Zielkonflikte

Der Fachverband der Metalltechnischen Industrie (Wirtschaftskammer Österreich) ist im Austausch mit den Mitgliedsunternehmen und gab ein Positionspapier heraus. Darin aufgelistet sind Beispiele für kritische Anwendungen und implizite Zielkonflikte. 

So wäre die Energiewende negativ beeinflusst, da bei der Wasserstofferzeugung durch Elektrolyseure nur PTFE der Kalilauge bei 90 °C widerstehen kann. Piringer führt im Gespräch auch die Fortschritte in der Digitalisierung an, die beeinträchtigt würden: „Der EU-Chips Act sieht vor, den Anteil Europas an der weltweiten Halbleiterproduktion bis 2030 auf 20 % zu verdoppeln. Mit einem PFAS-Verbot wäre auch dieses Vorhaben gefährdet. In der Halbleiterherstellung arbeitet man mit ätzenden Chemikalien und hohen Temperaturen. Dem ist nur PTFE gewachsen.“


PTFE-Alternativen auf dem Prüfstand

Immer wieder tauchen Vorschläge für PFAS-freie Alternativen für sehr spezifische Anwendungen auf. Allerdings scheitern diese alternativen Werkstoffe in der Dichtungsbranche oft in der Praxis, denn Polyamide oder andere Polymere bieten nicht dieselbe Kombination an Werkstoffeigenschaften wie PTFE. Faserwerkstoffe können PTFE nur in einzelnen, wenigen Anwendungsfällen ersetzen und haben dort eine stark verkürzte Lebensdauer. Oft wird auch der Temperaturbereich oder die Dichtungseigenschaft nicht erfüllt.

 




„Es gibt schlichtweg keine vollständige Alternative. Unternehmen werben zwar damit, blickt man  aber genauer hin, stellt man rasch fest, dass es sich um Alternativen für Anwendungen in Beschichtungen, Schmiermitteln oder ähnlichem handelt. Für Dichtungen ist PTFE weiterhin unersetzlich.“


Stephan Piringer,
Leiter Forschung und Entwicklung bei KLINGER Dichtungstechnik

 


Was bedeutet „PFAS-frei“ wirklich?

Bei KLINGER Dichtungstechnik gilt folgendes:

  • „PFAS-frei“ bedeutet, dass Produkte keine absichtlich hinzugefügten PFAS enthalten. 
  • Absolute PFAS-Freiheit ist analytisch kaum nachweisbar, da Verunreinigungen über Luft oder Wasser unvermeidbar sind.
  • Produkte wie Klingersil sind grundsätzlich PFAS-frei, mit Ausnahme expliziter PTFE-beschichteter Varianten.

Umweltverantwortung bei KLINGER

KLINGER Dichtungstechnik unterstützt aktiv die Absicht der EU, schädliche Chemikalien aus den Produktionsketten zu verbannen, so heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Statement. 2025 werden deshalb weiterhin Maßnahmen umgesetzt, um die Produktion von PTFE-basierten Dichtungsmaterialien noch umweltfreundlicher zu gestalten. Das Unternehmen arbeitet eng mit Rohstofflieferanten zusammen, um Produktionsprozesse vollständig auf fluortensidfreie PTFE-Rohstoffe umzustellen und schädliche PFAS vollständig auszuschließen. Unabhängige Tests von TÜV Rheinland bestätigen bereits jetzt die Abwesenheit von nicht-polymeren-PFAS in PTFE-Dichtungen, wie TopChem.


Politische Debatte und Industrie

Einige österreichische, namhafte Herstellerunternehmen schlossen sich „Fluorpolymer-Allianz Österreich“ zusammen, um politisch aktiver aufzutreten und Gehör zu finden. Diese Allianz sensibilisiert Politik und Wirtschaftskammer für die technischen Zusammenhänge und Folgen eines möglichen Verbots. „Ohne PTFE wären viele Schlüsseltechnologien gar nicht realisierbar“, betont Piringer.


Zukunft bleibt offen

Während der politische Entscheidungsprozess rund um PFAS und PTFE langsam voranschreitet, bleibt die Dichtungsbranche wachsam. Die bisherigen Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass zumindest bei technisch kritischen Anwendungen von Fluorpolymeren differenziert betrachtet wird. Echte Alternativen zu PTFE gibt es bislang nicht – ein Fakt, der sicherlich bei künftigen Entscheidungen Gewicht haben dürfte.

Für die Dichtungsbranche bedeutet dies vorerst eine vorsichtige Entwarnung, aber keine langfristige Sicherheit.


Frequently asked questions (FAQ)

  • 1. Wird PTFE bald verboten?

Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Selbst wenn eine Empfehlung der ECHA vorliegt, folgt ein langwieriger politischer Prozess, der Jahre dauern könnte.

  • 2. Gibt es echte Alternativen zu PTFE-Dichtungen?

Nein, derzeit existiert kein Werkstoff, der alle – für Dichtungen ausschlaggebenden – Eigenschaften von PTFE vollständig ersetzen kann. Nur Teilanwendungen können alternative Materialien nutzen.

  • 3. Sind „PFAS-freie“ Produkte wirklich frei von PFAS?

„PFAS-frei“ bei KLINGER Dichtungstechnik bedeutet, dass keine bewusste Beimischung erfolgt. Absolute PFAS-Freiheit ist technisch kaum realisierbar, da geringste Verunreinigungen durch die Umwelt unvermeidbar sind.

  • 4. Sind Klingersil-Dichtungen PFAS-frei?

Ja, Klingersil-Dichtungen sind faserverstärkte Dichtungen und daher frei von PFAS. Eine Ausnahme bilden – auf Kundenwunsch – mit PTFE beschichtete Klingersil-Dichtungen.

  • 5. PTFE ohne PFAS – ist das möglich? 

PTFE (Polytetrafluorethylen) ist selbst ein Fluorpolymer und gehört damit chemisch zur Gruppe der PFAS. Ein PTFE ohne PFAS ist daher nicht möglich, da PTFE definitionsgemäß immer ein PFAS ist.


Ihr Ansprechpartner





David Hörschläger
Produktmanager & Leitung Innendienst Dichtungstechnik
+43 7243 2270
LinkedIn-Profil

 

 

 


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